Biografie Christian Friedrich Samuel Hahnemann

Dr. Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie

Samuel Hahnemann ist Begründer der Homöopathie, auf seinem Grabstein wird auf eigenen Wunsch stehen: „Ich habe nicht unnütz gelebt“. Schon zu Lebzeiten hatte er Gegner aber auch Befürworter und Förderer seiner neuen Therapie. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Seine Biografie zeigt ein aufregendes Wechselspiel von Forschung und Verantwortung für eine große Familie, von Lehre und praktischem Arbeiten. Sie zeigt vor allem seine Leidenschaft zur Medizin und den Menschen.

Samuel Hahnemann Memorial - Washington, DC - DSC05614Samuel Hahnemann Memorial – Scott Circle, Washington, DC, USA.

Sculptor: Charles Henry Niehaus (1855–1935).

Geburt und Schulzeit Hahnemanns

Samuel Hahnemann wird am 10.April 1755 als drittes Kind eines Porzellanmalers in Meißen geboren. Bereits seine Eltern erziehen ihn zu ganzheitlichem Denken. Er besucht die Stadtschule. Auf Grund seiner Begabung wird seiner verarmten Familie das Schulgeld erlassen. Er ist in der Schule so erfolgreich, dass er ein Stipendium der Fürstenschule St. Afra in Meißen erhält. Diese besucht er von 1771 bis 1775. Die Fürstenschule St. Afra hat es sich zur Aufgabe gemacht, Begabte zu fördern, unabhängig der Herkunft und hält auch heute noch an diesen Prinzipien fest. Während dieser hervorragenden Ausbildung wird sein, schon von zuhause geprägtes, ganzheitliches Denken weiterhin gefördert. Des Weiteren erlernt er mehrere alte und neue Sprachen.

Studium und Promotion Hahnemanns

Im Anschluss an seine Schulzeit studiert er an der Uni Leipzig Medizin. Er verdient sich das Studium durch Übersetzungsarbeiten. 1777 geht er an die Wiener Universität zu Josef Quarin (Leiter des Spitals der barmherzigen Brüder in Wien und Leibarzt von Maria Theresia), um dort das Gelernte am Krankenbett umzusetzen. Anschließend erhält er eine Anstellung in Hermannstadt (damals Teil der Habsburger-Monarchie, heute Rumänien) bei Freiherr von Brukenthal. Hahnemann wird als Hausarzt für ihn und die Stadt eingestellt, sowie für Bibliothek- und Münzensortierung, womit er seinen Lebensunterhalt finanzierte. Am 17.07.1777 tritt er der Freimaurerloge „Zu den drei Seeblättern“ bei. 1779 kommt Hahnemann nach Deutschland zurück um in Erlangen mit einer Studienzeit von 6 Semester sein Medizinstudium mit der Promovierung abzuschließen.

Arbeitsleben Hahnemanns

Seine eigene Praxis eröffnet er 1780 (mit 25 Jahren) in Hettstedt – jedoch nur für ein Dreivierteljahr, denn er merkt, dass er mit der damaligen Medizin den Menschen nicht helfen kann. Daher geht er 1781 nach Dessau um dort eine praktische pharmazeutische Ausbildung in der dortigen Mohren Apotheke zu absolvieren. Dort lernt er auch Henriette Küchler kennen (17J.), die Adoptivtochter des Apothekers. Die beiden heiraten 1782 und Hahnemann geht als Physikus nach Gommern. Dort findet seine erste eigenständige Veröffentlichung statt: „Fragen der Hygiene und Diätetik“ – ein Hinweis dafür, dass er für die damalige Zeit ein Vordenker war. Zu dieser Zeit ist er noch Anhänger der Humoraltherapie („Säftelehre“, z.B. Aderlass etc.). Er ahnt jedoch damals schon, dass dies grundsätzlich nicht zum Wohle des Patienten einzusetzen ist. 1783 wird seine ersten Tochter geboren, 1784 sein erster Sohn. 1785 geht die Familie nach Dresden. Hahnemann vertritt dort für 1 Jahr den Stadtphysikus. Dort bildet er sich in der gerichtlichen Medizin weiter, dazu arbeitet er auch in der Gerichtsmedizin (z.B. juristischer Nachweis von Vergiftungen). In dieser Zeit übersetzt und schreibt er viel, z.B. über Arsenik-Vergiftung (Anm.: zu dieser Zeit war Arsen noch frei verkäuflich).

Naturwissenschafltiche Betätigung Hahnemanns und Geburtsstunde der Homöopathie

In Dresden beschäftigt er sich ebenfalls intensiv mit der Aneignung naturwissenschaftlicher Kenntnisse, so dass er in der ersten Lebenshälfte verschiedene Veröffentlichungen zu chemischen und pharmazeutischen Verfahren herausgeben kann. Unter anderem 1788 die Schrift „Über die Prüfung von Wein auf Eisen und Blei“. Mit dieser „Hahnemannschen Weinprobe“ konnte die Verfälschung von Wein mit giftigem Bleizucker nachgewiesen werden. Diese wird dann sogar von der preußischen Regierung für die Weinhändler in Berlin vorgeschrieben und macht damit seinen Namen bekannt. Des Weiteren übersetzt er ein Apothekerbuch (Demarchese) mit vielen eigenen Fußnoten als Verbesserungsvorschläge. 1789 gibt er den Arztberuf völlig auf „um ihm (dem Patienten) nicht noch mehr zu schaden“

Er zieht mit seiner Familie nach Leipzig und arbeitet dort als Übersetzer um seine kinderreiche Familie ernähren zu können. 1790 übersetzt er die Zweibändige Arzneimittellehre des Schotten Wiliam Cullen, einem damals sehr bekannten Mediziners, und entdeckt unlogisches zur Chinarinde bei Wechselfieber. Zur Überprüfung macht er einen Selbstversuch (für diese Zeit ein sehr ungewöhnliches Vorgehen) und entdeckt, dass die Chinarinde bis auf das Fieber alle ihm bekannten Symptome eines Wechselfiebers hervorrufen. Er notierte in einer Fußnote seine Vermutung, dass die Fähigkeit ähnliche Symptome auszulösen, für die eigentliche Heilwirkung der Chinarinde bei Malaria verantwortlich sein könnte – Dies gilt als die Geburtsstunde der Homöopathie.

Chinarinde
Chinarindenbaum (Cinchona calisaya), Illustration By Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen – List of Koehler Images, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5235213
Chinarinde
Chinarinde
Von H. Zell – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10672502
Chinin Malaria
Malaria-Medizin mit Chinin aus der Chinarinde (Von https://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/f6/8c/887b8b8353e62acd89fe05a9d4e3.jpgGallery: https://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0060511.htmlWellcome Collection gallery (2018-03-24): https://wellcomecollection.org/works/pgf3tza9 CC-BY-4.0, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36214659)

Erste homöopathische Tätigkeiten Hahnemanns

1791 wird Hahnemann in die renommierte „Churfürstlich Mayntzische Academie nützlicher Wissenschaften“ in Erfurt aufgenommen. 1792 (mit 37 Jahren) eröffnet er eine kleine, nach homöopathischen Prinzipien geführte psychiatrische Klinik in Gotha. Diese einzigartige Möglichkeit wird ihm von dem fortschrittlich und humanitär eingestellten Freimaurer Herzog Ernst von Sachsen-Gotha in einem Flügel seines Jagdschlosses in Georgenthal ermöglicht. Im Gegensatz zu Züchtigung, Disziplinierung und Fixierung, die damals bei psychischen Auffälligkeiten üblich waren, führt er Gespräche und wahrscheinlich auch schon eine homöopathische Behandlung durch. Wieder einmal mehr ist er auch diesmal seiner Zeit weit voraus, da zu dieser Zeit noch nicht wirklich bekannt war, dass das Gemüt erkranken konnte. Dennoch kann er dort seinen ersten psychiatrischen Fall behandeln: den an einer manischen Psychose erkrankten Staatsbeamten und Schriftsteller Friedrich Klockenbring aus Hannover. Die Heilung dieses schweren und für die damalige Medizin unheilbaren Kranken erregt zu der Zeit in Deutschland große Aufmerksamkeit. Hahnemann schreibt hierzu 1796 den Artikel „Striche zur Schilderung Klockenbrings während seines Trübsinns“. Dieser wird in der „deutschen Monatsschrift“ veröffentlicht. Im selben Jahr wird auch die Behandlung Klockenbrings öffentlich vorgestellt: „Die manische Psychose des Schriftstellers F.A. Klockenbring“.

Vereinbarung Familie und Beruf(ung)

Im gleichen Jahr präsentiert Hahnemann als Begründer der Homöopathie zum ersten Mal der Öffentlichkeit seine neue, homöopathische Behandlungsweise „Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen“ (similia similibus curentur) mit dem Buch: „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen“. Im Jahr 1793 wird er zum Mitglied der naturwissenschaftlich-medizinischen Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt und zieht wieder einmal um (mit mittlerweile 5 Kindern). Stationen sind Molschleben, Göttingen und Pyrmont. Je nachdem, wo ihm eine Anstellung möglich ist, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und seine große Familie zu ernähren. 1794 verliert er sein 6. gerade einmal 3 Monate altes Kind bei einem Unfall. 1795 lebt er in Wolfenbüttel, im Jahr darauf in Braunschweig und Königslutter.

Eines der wichtigsten Themen Hahnemanns war, wie er selbst 1795 erwähnt: „die Kinder, deren Gesundheit und Erziehung“. Obwohl er bereits seit vielen Jahren seine Praxis und damit die Behandlung von Patienten fast aufgegeben hat, sieht er sich als Vater von vielen Kindern genötigt, ein neues Heilsystem zu suchen. So wundert es nicht, dass er, angeregt durch Jean Jacques Rousseau „Erziehungsprinzipien“ und die persönlichen Erfahrungen als Ehemann und Vater, 1796 das “Handbuch für Mütter oder Grundsätze der ersten Erziehung der Kinder” veröffentlicht. Engagiert nimmt er ebenfalls in der Schrift “Freund der Gesundheit” zu Problemen der persönlichen und öffentlichen Hygiene Stellung (z.B. Verhütung der Epidemien) und entwickelte außerordentlich interessante Vorstellungen zur Diätetik.

Samuel Hahnemann Begründer der Homöopathie
Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie (Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=579675)

Von „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“ zum Standardwerk der Homöopathie

1799 zieht er, mit mittlerweile 8 Kindern, nach Altona, ein Jahr später nach Mölln. 1801 bewirbt er ein Mittel gegen Scharlachfieber. Weitere Umzüge nach Machern und Eilenburg folgen. 1803 lebt er in Schildau und sein 9. Kind wird nach mittlerweile 17 Wohnortwechsel dort geboren. Sein 10. Kind kommt dann nach einem weiteren Wohnortwechsel 1804 in Torgau zur Welt. In dieser Zeit arbeitet Hahnemann nachweislich nach seinem homöopathischen Ähnlichkeitsgesetz. Er beginnt nun immer kleinere Dosen (Potenzierungen) zu verwenden, was er in einem Aufsatz „Über die Kraft kleiner Gaben der Arzneien überhaupt und der Belladonna insbesondere. Ein Schreiben an den Herausgeber“ im „Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunde“ von Hufeland beschreibt. 

In Torgau schreibt er weitere Bücher bzw. Artikel: 1805 das Buch „Esculap auf der Waagschale“ (ausgestellt im Hahnemannzentrum Thorgau e.V.). Dieses kleine Buch ist insofern von herausragender Bedeutung, weil Hahnemann sich als Begründer der Homöopathie damit endgültig von der herkömmlichen Medizin distanziert und auf eine grundlegende Reform der gesamten Arzneikunde drängt. In diesem Büchlein gibt er zahlreiche Beispiele für die Unzulänglichkeit der Medizin in jener Zeit. Des Weiteren erscheint 1805 das homöopathisches Nachschlagewerk in 2 Bänden: „Fragmenta de viribus“ (vollständiger Name: Fragmenta de Viribus Medicamentorum Positivis: sive in sano Corpore Humano Obervatis; übersetzt: Fragmente zu den gesicherten Arzneikräften oder auch denjenigen, die am gesunden Körper beobachtet wurden) und „Heilkunde der Erfahrung“ als erste Gesamtdarstellung des neuen Heilprinzips durch Hahnemann. Ein Hinweis darauf, dass er seine Selbst- und wahrscheinlich auch Fremdversuche in den letzten Jahren konsequent fortgesetzt hat. Dieses Buch gilt als „Vorläufer“ des 5 Jahre später erschienen Organon. 1807 veröffentlicht er einen Aufsatz, ebenfalls in Hufelands Zeitschrift, der erstmals den Begriff „homöopathisch“ einführt: „Fingerzeige auf den homöopathischen Gebrauch der Arzneien in der bisherigen Praxis“

1810 erscheint das Buch „Organon der rationellen Heilkunde“ (1. Auflage, spätere Auflagen „Organon der Heilkunst“). Dieses Werk stellt die Homöopathische Lehre zusammenfassend dar, wird aber in den kommenden Jahren von ihm noch erheblich überarbeitet und ergänzt und gilt bis heute als das Standardwerk der Homöopathie.

samuel Hahnemann begründer homöopathie
Samuel Hahnemann, Monument in Leipzig (By User ALoK on de.wikipedia – Originally from de.wikipedia; description page is (was) here14:43, 26. Apr 2006 ALoK 737 x 1141 (145.684 Byte), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=835432)

Professur Hahnemanns

1811 geht Hahnemann zurück nach Leipzig um dort an der Uni zu unterrichten. Im gleichen Jahr veröffentlicht er den ersten Band der „Reinen Arzneimittellehre“ (die es später auf sechs Bände bringen soll). Mit diesem Werk veröffentlicht er seine Prüfungen von Arzneimitteln an Gesunden, (vor allem an sich selbst, seiner Familie und seinen Schülern) und die damit herausgefundenen „reinen Arzneiwirkungen“. Anthony Campbell beschreibt dieses Werk folgendermaßen: „Ein solches experimentell begründetes Werk kann als ein für die damalige Zeit einzigartiger Beitrag zur Pharmakologie gelten; nichts Vergleichbares war bis dahin versucht worden“. Hahnemann hält an der Uni Leipzig ca. 10 Jahre Vorlesungen über die Homöopathie und wird damit zum Begründer einer neuen heilkundlichen Richtung. Er sammelt Schüler um sich und setzt seine Arzneimittelprüfungen mit Hilfe einer Prüfergruppe, insbesondere aus seinen Studenten und seinem ältesten Sohn, fort. Da er die Schulmedizin immer wieder heftig angreift, hat er unter den dortigen Medizinprofessoren erbitterte Gegner und wird häufig in akademische Fehden verwickelt.

Weiterer praktischer Einsatz der Homöopathie

In seiner Leipziger Zeit arbeitet Hahnemann zusätzlich in einer eigenen Praxis. Sein bekanntester Patient ist, neben Friedrich Wieck, dem Vater von Clara Schumann, Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg, österreichischer Generalfeldmarschall, der als Sieger von Leipzig sehr populär war. Beim Ausbruch der Typhus Epidemie 1813 greift Hahnemann mit seiner homöopathischen Therapie ein und es kommt lediglich zu einem einzigen Todesfall. 1816 erscheint der zweite Band der „Reinen Arzneimittellehre“. Während seiner Zeit in Leipzig besteht Hahnemann auf Grund seiner sehr guten chemischen und pharmazeutischen Kenntnisse darauf, seine homöopathischen Arzneimittel selbst herzustellen. Da jedoch lediglich die Apotheken das Privileg besaßen, Arzneimittel herzustellen, wird er verklagt. 1820 gelingt ihm lediglich der Kompromiss, wenigstens in Notfällen, vor allem auf dem Land, Medikamente selber herstellen zu dürfen.
1821 zieht er daher mit seiner Familie nach Köthen und wird dort Leibarzt von Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt-Köthen. Von ihm erhält er eine schriftliche Garantie für die Anfertigung seiner eigenen Arzneien. Unterstützt wird er dabei von dem österreichischen Politiker Adam von Müller, einem einflussreichen Förderer der Homöopathie.

Chronische Erkrankungen in der Homöopathie und Einführung der Potenzierung

In Köthen erscheint in der Zeit von 1828 bis 1830 die erste Auflage der „Chronischen Krankheiten“. Hahnemann teilt die chronischen Krankheiten darin in drei Typen ein: die Geschlechtskrankheiten Syphilis, die Sykosis („Feigwarzenkrankheit“) und die Psora (Mangelkrankheit). Schwerpunkt ist hier die Behandlung des Miasmas vom Patienten (sozusagen einer dauerhaften Prägung, welche als sog. „Ur-übel“ weiterhin das Leben der Patienten beeinträchtigt).

Des Weiteren verkündet Hahnemann seine neue Lehre der Arzneimittelpotenzierung: Die Mittel sollen verdünnt und gleichzeitig mit Hilfe von schütteln bzw. reiben hergestellt werden. Er hatte erkannt, dass dadurch die eigentliche Heilkraft der Mittel deutlich verstärkt wird bzw. erst entsteht.

Am 31. März 1830 stirbt Hahnemanns erste Frau in Köthen nach 48 Jahren Ehe. In seiner erfolgreichen Praxis hat er Hilfe durch vier seiner Töchter. Eine große Rolle für die weitere Durchsetzung der Homöopathie spielen seine Stellungnahmen zu den großen Choleraepidemien der Jahre 1830 und 1831. Hahnemann behandelte selber zwar nie einen Patienten mit Cholera, veröffentlicht aber in Köthen vier einflussreiche Texte zum Wesen der Cholera und zur Cholerabehandlung. Diese stoßen besonders in Wien auf großes Interesse und werden – verglichen mit der damals herrschenden Medizin – mit recht gutem Erfolg angewendet.

Hahnemanns letzte Lebensjahre in Paris: „Ich habe nicht unnütz gelebt!“

Ende 1834 suchte die 34-jährige französische Malerin Mélanie d’Hervilly Hahnemann in Köthen als Patientin auf. Es kommt zu einer stürmischen Liebesgeschichte mit dem mittlerweile neunundsiebzigjährigen Arzt. 1835 wird sie Hahnemanns zweite Ehefrau, was gewaltiges Aufsehen erregte. Zusammen mit seiner 45 Jahre jüngeren Frau zieht er bald darauf nach Paris um, wo er seine letzten acht Jahre als angesehener und vielbeschäftigter Arzt verbringt.

Ein prominenter Patient Hahnemanns ist 1837 der Geiger Niccolò Paganini. Ende 1838 behandelte Hahnemann die Tochter des in der Pariser Gesellschaft sehr bekannten Literaten Ernest Legouvé, die – von den Ärzten aufgegeben – im Sterben lag. Hahnemann gelingt es, sie zu heilen. Daraufhin breitet sich der Ruf Hahnemanns in der Pariser Gesellschaft schnell aus und viele weitere prominente Patienten suchen ihn auf

In seinen letzten Jahren arbeitet Hahnemann an der 6. Auflage seines „Organon“. Dieser enthält neue Vorschriften zur Arzneibereitung („Potenzierung“). Insbesondere zu den so genannten Q-Potenzen mit besonders großen Verdünnungsschritten von 1:50.000.

Hahnemann stirbt mit 88 Jahren am 2. Juli 1843 in Paris, vermutlich an einer Lungenentzündung. Der Begründer der Homöopathie wird auf dem Pariser Friedhof Montmartre beigesetzt. Die Beisetzung sowie der Zustand der Begräbnisstätte − die bis heute erhalten ist − weckten heftige Kritik. Nach 55 Jahren wurde Hahnemann exhumiert und zusammen mit den sterblichen Überresten seiner zweiten Frau Mélanie in einem Ehrengrab auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise umgebettetHahnemanns Grabstein trägt auf seinen persönlichen Wunsch die Inschrift „Non inutilis vixi“ (dt.: „Ich habe nicht unnütz gelebt“). 

Hahnemann Grab Père Lachaise Paris
Hahnemanns Grab auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris (By Pierre-Yves Beaudouin – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20404621)